Ohefest Nr.3:
Drei Tage, drei Schauplätze und dreimal so viel Publikum.
Regelmäßige Ohefestler und auch viele Neue kamen vom 03. – 05.07. nach Niederalteich, um mit uns die Schönheit und Vielfalt der Welt zu feiern.
„Trio Times Two“ eröffnete am Freitag Abend das Festival. Hier standen sich zwei gleichermaßen brillante und verschiedene Klaviertrios gegenüber. Die drei „Klassiker“ spielten Dvořáks Dumky-Trio, das mit volksmusikalischem Charakter symbolisch für die Naturverbundenheit des Menschen steht. Nach der Pause zeigten dann die „Jazzer“, vereint in Spontanität und Virtuosität, dass sich Musik, genau wie die Natur, ständig weiterentwickelt. Zusammen präsentierten die Trios die Schönheit und Vielfalt in Mensch und Musik.
Samstag ist Kurstag beim Ohefest. Und so unterrichteten die beiden „Trio-Chefs“ des Vorabends, Gerold Huber und Sebastian Baumgartner ihre begeisterten Bewunderer aus der Schülerschaft des SGG. Am Nachmittag ging es dann eine oder zwei Altersstufen nach unten. Zu „Bäda und da Woif“ versammelten sich Familien mit Kindern bis 10 im idyllischen Basilika Innenhof auf Picknickdecken. Nachdem das Bläserquintett der Münchner Kammeroper mit ihren farbreichen Instrumenten und tollem Spiel die Kinder bezauberte, durfte ich mit großer Freude zeigen, was das oft unterschätzte Instrument „Stimme“ so alles kann.
Samstag Abend bildete das Zentrum des Festivalwochenendes.
Zum ersten Mal wurde der neue Konzertsaal der Region, der Niederalteicher Fassboden, mit einem Konzert bespielt. Und das, obwohl außerhalb des Saals noch eine große Baustelle vorherrscht. Also, kein Foyer, keine Künstlergarderoben, kein fertiger Eingang, ja, am Vorabend wurden gerade noch rechtzeitig die Toilettentüren eingebaut. Aber durch ein großartiges Zusammenspiel verschiedenster Akteure wurde diese ausverkaufte musikalische Taufe zum Riesenerfolg. Das Orchester der Kammeroper München nahm das Publikum zusammen mit Luise Kinseher mit auf eine tierische Reise im perfekt ausgeleuchteten Fassboden in bester Akustik. Eine besondere Ehre war es für mich, die ersten Gesangstöne im neuen Konzertsaal zum Besten geben zu dürfen. Alle Verantwortlichen atmeten am Ende der Veranstaltung einmal tief durch und waren erleichtert, beglückt, und sahen all ihre Erwartungen an den Fassboden übertroffen!
Die German Gents, eines der gefeiertsten jungen Vokalensembles unserer Zeit, begannen den dritten Festivaltag mit einem Workshop für eine „Elite - Schulchor – Truppe“ des SGG.
In einem Einführungsspaziergang einiger 9. und 10. Klassen Musik und Kunst beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler, unter Anleitung von Katharina Naimer und Bernhard Falk, mit den Themen „Heimat – Aufbruch – Fremde – Rückkehr“. Diese Stationen gliederten das anschließende Liedkonzert von Jakob Schad und Diego Mallén. Dass diese Musik und Themen unglaublich aktuell sind, wurde hier eindrucksvoll deutlich. Jakob Schad sang am Ende des Konzerts „Lass o Welt, o lass mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben.“ Einige Zuschauer erinnerten sich schmunzelnd an die letzte Station des Spaziergangs und den selbst verfassten Rap der Schüler:
Lass mich, Welt, echt einfach sein,
bitte hör auf, mich vollzulabern!
Komm mir nicht mit deinen Gaben,
ich will allein mit allem sein:
mit meinem Glück, mit meinem Schmerz,
mit diesem komischen Down-Gefühl,
das ich null verstehe, aber fühl’ –
direkt, komplett, tief im Herz.
Am Abend brauchten wir dann den immer mitgedachten „Plan B – Schlechtwetter“.
Der eigentlich angedachte Festivalabschluss im Innenhof wurde spontan wegen Regen in den Fassboden transferiert. Die German Gents begeisterten das Publikum mit ihrem 50er Jahre Gentleman - Charme und perfektem Ensembleklang. Außerdem bewiesen sie, dass der neue Saal auch für Acapella Gesang perfekt geeignet ist. Zum Abschluss des Festivals sang der Schulchor zusammen mit den German Gents, Schulleiter Johann Lummer, Musiklehrer Bernhard Falk und mir im Tenor 2, die am Nachmittag erprobten Stücke.
In diesem Auftritt des Chores wurde einmal mehr deutlich, wie das Ohefest zustande kommt: Viele Menschen in verschiedenen Positionen ziehen gewaltig an einem Strang und leisten gemeinsam Großartiges.
Bei so einer Energie, bei so einem positiven Miteinander muss man einfach begeistert und berührt sagen: „What a Wonderful World“!
Jonas Müller – Intendant des Ohefests